Minister Hartl und Sektionschef im Unterrichtsministerium Stadler von Wolfergrün besuchten eigens diese Ausstellung, wobei ihnen im zukünftigen Unterrichtsteil der Schüler Sterrer durch seine umfangreichen, frischen und für das Alter von 14 Jahren wirklich reifen Arbeiten auffiel. Beiden Herren war der Vater dieses Schülers durch seine großen plastischen Arbeiten für das Parlament, das Burgtheater und die neue Hofburg sehr gut bekannt und sie freuten sich, dass dieser treffliche Künstler einen so viel versprechenden Sohn besitze.
„Sterrers ‚Winternacht‘ fällt darunter besonders auf, da die Komposition sowohl als auch Zeichnung und Farbe zur Schule der deutschen Meister des Mittelalters zurückkehrt.“
Deutsches Volksblatt, 26. April 1910, Nr. 7655, 22. Jg., S. 1
„Der Wiener Karl Sterrer ist ein Stilist, der vielleicht von ferne, in der äußersten Äußerlichkeit seiner Handschrift an Hans Thoma gemahnen mag. […] Die Romantik Sterrers fesselt nicht nur, weil sie interessante Dinge erzählt, sondern weil sie diese interessant und mit einem kräftigen Akzent von gesunder und besonderer Menschlichkeit erzählt. Das gilt von den Landschaften auch […] Kunstwerke, deren Besitzer wohl viele und nicht die Schlechtesten grimmig beneiden werden.“
Österreichische Illustrierte Zeitung, 14. September 1913, Heft 50, XXII. Jg., S. 1224
Ende September 1919 sollte Franz Rumpler in den Ruhestand treten, das Professorenkollegium hatte „in wiederholten Sitzungen alle bedeutenden Maler des Inlandes in Erwägung gezogen und ist nach gründlichster Beratung zu dem einstimmigen Beschlusse gelangt für den vakanten Posten die akademischen Maler Ferdinand Andri und Karl Sterrer ex aequo loco in Vorschlag zu bringen.“
Besetzungsvorschläge für Malerprofessur in der Nachfolge Rumpler (Indexbücher, Universitätsarchiv der Akademie der bildenden Künste, Wien, Verwaltungsakten 1919 / 645)
„Und dieses Feingefühl für die plastische Schönheit des menschlichen Körpers (haben) auch seine Gemälde, die in ihren blauen und braunen Tönen farbig so wenig gestuft sind. […] Da entstehen dann Meisterwerke, wie die Bildnisse […] wo vielfach auch noch der Hintergrund stark die Form betont und so der Plastik des Kopfes zur gesteigerten Wirkung verhilft. Da entstehen dann Bilder von einer unsagbar adeligen Schönheit, wie das „Mädchen mit Schiffen“. Nun, eine solche Gestaltung, der es vor allem um die plastische Form geht, mußdie mächtigste Kraft in sich spüren, weil sie sich dem Schöpfertum der Natur am nächsten fühlt. Das All wird in ihr rege.“
Karl Maria Grimme, Frühling im Künstlerhaus, in: Moderne Welt, Nr. 15, 1929, S. 2-4
„Und dieser ‚Malerzeichner‘ Sterrer, der wahrlich ganz oben bei Brahms und Hebbel steht, ist bei uns in Wien zur Welt gekommen, und war schon vor der bösen Kriegszeit aller Leichtlebigkeit in Sinnen und Trachten abhold gewesen, und er ist immer mehr der Zeit entgegengereift und sie ihm auch. [….] Sterrer […] ist ein Renaissancemensch, Condottierenatur vom reinsten und schwersten Blut, ein Michelangelo-Nachfahr, daheim bei den Propheten und Sibyllen der ‚Sixitina‘“.
F.A., Karl Sterrer-Ausstellung, in: Neues Wiener Tagblatt, Nr. 28, 28. Januar 1931, S. 11
„Die Schüler Professor Sterrers wissen, daß dieser Lehrer, einer unserer bedeutendsten und interessantesten Künstler, zu den verständnisvollsten Freunden der Jugend gehört.“
Illustrierte Kronen Zeitung, 26. August 1932, Nr. 11.709, S. 7
„Nach den Satzungen, die der Eckart-Bund für die Verleihung des Ehrenringes ausgearbeitet hat, verleiht er diesen Ehrenring nur Künstlerpersönlichkeiten, deren Bedeutung ausser jeder Frage steht, die bereits eine Reihe bedeutender Werke geschaffen haben und deren Schaffungskurve noch deutlich nach aufwärts zeigt.“
Ankündigung der Verleihung des goldenen Ehrenrings des Eckartbund zur Förderung der schönen Künste, 7. November 1933 (Archiv M. Sterrer)
„Nach anderthalbjähriger, hingebungsvoller Arbeit hat Karl Sterrer das gewaltige Mosaik vollendet, das von Klemens Holzmeister für die Stirnwand der von ihm erbauten Seipel-Dollfuß-Gedächtniskirche bestimmt war, die es nun schmückt. […] Die Feierlichkeit, die Sterrers Werk ausstrahlt, die ruhige und dabei reiche Harmonie der Farben auf dem weißen Mauergrund, die Macht und Beseeltheit der Komposition – all das macht dieses Mosaik zu einem der bedeutendsten Werke christlicher Kunst unserer Zeit. Man meinte eine ‚byzantinische‘ Kunstsprache zu erkennen.“
Mosaik in der Seipel-Dollfuß-Gedächtniskirche. Karl Sterrers Meisterwerk, in: Neues Wiener Journal, Nr. 15.434, 6. November 1936, 44. Jg., S. 5
„Sterrer, der Altmeister des Aktes und der landschaftlichen sowie figuralen Komposition, verfolgt nunmehr eine Schaffenslinie. Ausgehend von literarischen Studien und Eindrücken, versucht er mitten in den Strom der Modernen zu treten. Das gelingt ihm erstaunlich gut, besonders dort, wo er aus innersten Wollen stark lineare, religiöse Bilder schafft, die nach großen Wänden verlangen, um sich freskal auszuleben. […] Es ist wohl noch unbestimmt, ob die abstrakte Aussage ‚Golgatha‘, die einen prachtvollen Entwurf für ein Glasfenster abgeben könnte, in die Zukunft des bereits betagten Meisters weist, dessen Schaffenskraft, durch schwere Schicksale neu geformt, nach dem letzten zeitgemäßen Ausdruck ringt.“
Dr. N.: „Sterrers „Religiöse Kunst“, in: Neue Wiener Tageszeitung, 5. 2. 1955
Die Rezensionen der Zeitungen, wohl mit Abbildungen der Arbeiten und manchmal auch mit ausführlichen Beschreibungen versehen, und die Reaktionen des Publikums zeigten kaum Verständnis für Sterrers aus der Zeit gefallenen Arbeiten. Ihre Rezeption erlebte man als anstrengend.
„Vor soviel Hohepriestergestik und feierlich stilisierter metaphysischer Problematik in Kolossalformaten wird der Betrachter ganz kleinlaut: […] Sterrer ist Symbolist, Allegoriker, Expressionist, ein Egger-Lienz, dem das Tirolergwandl mangelt. Er vereinfacht stark, ist zu steif, zu pathetisch. Nur gelegentlich, wie in dem Blau-Ocker der ‚Auferstehung’, sind malerisch feinere Dinge zu spüren.“
Johann Muschik, in: Neues Österreich, 17. 4. 1962
„Alle Arbeiten von K. Sterrer sind beschriftet.“ Mehr wollte der Kritiker nicht sagen.
Alfred Schmeller, in: Kurier, 10.4.1962