Karl Sterrer wird 1885 in Wien geboren, studiert ab 1901 an der Wiener Akademie bei Christian Griepenkerl und Alois Delug, schließt 1908 das Studium mit dem sogenannten „Rompreis“ und der ersten Kunstreise durch Italien, Spanien, Frankreich und Deutschland ab.
Er wird 1911 Mitglied des Wiener Künstlerhauses. Mit Unterstützung des Gastronomen und Kunstmäzens Franz Hauer verbringt Sterrer mit seiner Frau Elise ein Jahr auf Capri. Erste internationale Anerkennung seiner Werke bringt die 11. Internationale Ausstellung im Münchner Glaspalast 1913. Der Erste Weltkrieg unterbricht die künstlerische Laufbahn. Erleichterung erfährt Sterrer 1916 durch die Aufnahme in die Kunstgruppe des Kriegspressequartiers. 1919 vom Joch des Militärmalers befreit, versucht er es zunächst als freier Künstler. 1921 wird er ins Lehramt an die Wiener Akademie berufen. Bis zu seiner Abberufung im Jahr 1945 ist er geschätzter Lehrer zahlreicher, später äußerst erfolgreicher Künstler.
Die Zwanzigerjahre sind Sterrers künstlerisch ergiebigste Zeit. Porträts, Akte, Landschaften in malerischen und druckgrafischen Techniken entstehen. Die an der deutschen Romantik entwickelte Thematik und Stilistik leitet zu einer zart expressiven, neusachlichen, auch surrealistischen Formung über, oft in monumentalen Dimensionen. Bis zu seinem Ausscheiden im Jahr 1931 ist Sterrer regelmäßig Teilnehmer an den Ausstellungen des Wiener Künstlerhauses. Seine Bilder werden von zahlreichen privaten Sammlern, die zumeist dem jüdischen Bürgertum angehören, geschätzt. Er nimmt mehrmals an der Biennale in Venedig und Ausstellungen in Rom teil. 1929 wird er mit dem Staatlichen Ehrenpreis ausgezeichnet. Seine internationale Karriere gipfelt mit der Berufung zum Juror für die Biennale der Carnegiestiftung in Pittsburgh 1930.
Nach seiner Rückkehr aus den USA wendet er sich verstärkt dem Katholizismus zu. Die Bearbeitung religiöser Themen findet in der Gestaltung des großen Altarmosaiks für die „Christkönigskirche“ in Wien Rudolfsheim ihren Höhepunkt. In der Nachfolge des Architekten Clemens Holzmeisters übernimmt er 1937 die Leitung der Akademie als letzter Rektor vor der Machtübernahme der Nationalsozialisten.
Sterrers Nähe zum Austrofaschismus und die Bearbeitung religiöser Themen sind Anlass genug, ihn 1938 des Lehramts zu entheben. Sein Austritt aus der Kirche und der Eintritt in die NSDAP erscheinen Sterrer kurzfristig als Lösung seiner existenziellen Misere. 1939 wird er wieder zum Leiter einer Malerklasse berufen. Nach Kriegsende und Zusammenbruch des NS–Regimes wird er zum zweiten Mal suspendiert, diesmal wegen seiner Parteimitgliedschaft in der NSDAP, deswegen 1946 vorzeitig pensioniert und von seiner so geschätzten Unterrichtsarbeit abgezogen. Ab diesem Zeitpunkt entstehen beinahe ausschließlich allegorische und religiöse Bildwerke und zahlreiche Schriften wider die Entwicklung der Moderne.
Obwohl ihm 1957 noch der Große Staatspreis für bildenden Kunst verliehen wird, kann er an die künstlerischen Erfolge der Zwischenkriegszeit nicht mehr anknüpfen. Zwei Ausstellungen, 1955 an der Wiener Akademie und 1962 im Künstlerhaus mit religiösen und allegorischen Themen finden wenig bis negative Resonanz.
Karl Sterrer stirbt 1972 im Alter von beinahe 87 Jahren.
Die hier vorliegende Werkschau ist die erste Veröffentlichung zum Gesamtwerk von Karl Sterrer. Sie versucht, einen Überblick über das Schaffen des Künstlers und seine Vita zu vermitteln. Sie dokumentiert allerdings nur einen vorläufigen Stand der Bearbeitung.
Den Anstoß zur Aufarbeitung der Biografie und somit auch des Werks von Karl Sterrer gab ursprünglich der enthusiastische Sammler Rudi Schmutz, der gemeinsam mit seiner Frau Marta Gomez die wohl umfangreichste Sammlung von Arbeiten und Dokumenten Karl Sterrers aufgebaut hat. Seit dem Beginn der Recherchen im Jahr 2012 konnte der Autor dieses Werkverzeichnisses beiden immer wieder über den Fortschritt der Arbeit berichten. Rudi Schmutz konnte den Abschluss der Arbeit nicht erleben, er starb 2017.
Große Teile des Werks Karl Sterrers aus der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen sind allerdings verschollen, größtenteils zerstört worden. Dies betrifft besonders jene 178 Werke (nach anderer Zählung 180) der Sammlung Hugo Kriesers, die 1944 nach der endgültigen Enteignung des Besitzes des jüdischen Sammlers irgendwo auf ihrem Transport von Rotterdam nach Köln verloren gingen. Kenntnis über den Umfang dieser Sammlung besitzen wir durch die Aufstellung des Schätzmeisters des Dorotheums Eugen Primavesi. Die Werke dieser Aufstellung werden, wenn ihre Beschreibung ausreichend genügte, in dieses Werkverzeichnis aufgenommen. Jene Werke allerdings, die nur ungenügend beschrieben wurden, werden nicht aufgelistet. Das betrifft etwa 12 weibliche und männliche Akte, Lithografien und Zeichnungen, zudem 32 weitere Zeichnungen, Entwürfe, Skizzen, auch 60 kleine Radierungen, die heute nicht mehr zu bestimmen sind.
Grundsätzlich werden auch zerstörte und verschollene Werke im Werkverzeichnis aufgenommen, wenn auch teilweise ohne Abbildungen. Die Ausnahme dabei stellen jene Werke aus der oben genannten verschollenen Sammlung Hugo Krieser dar, bei denen einzig der Titel, aber keine anderen Daten bekannt sind. Diese Werke werden in einer eigenen tabellarischen Aufstellung genannt.
Herkunft und Standort der Werke werden laufend aktualisiert und unter Rücksichtnahme auf den Wunsch mancher Eigentümer:innen auch anonymisiert. Nicht selten ist die Provenienz eines Werkes schwer nachzuverfolgen und in mehreren Fällen derzeit auch / noch ungeklärt.
Das Werkverzeichnis Karl Sterrers wird ständig überarbeitet und vervollständigt.
Hinweise und Informationen, die auf Wunsch natürlich auch vertraulich behandelt werden, sind willkommen.