Karl Sterrer wird am 4. Dezember 1885 in Wien geboren.
Das Erbe der Eltern bestimmt den Lebensweg Karl Sterrers. Für ihn gibt es keinen Zweifel, er will Maler werden. Sein Vater Karl Sterrer (der Ältere) ist Bildhauer, seine Mutter Sophie (geb. Thetter) Lehrerin.
Nach der Unterrealschule, einer seiner Lehrer war der Kunstpädagoge Franz Cizek, studiert er an der Wiener Akademie bei Christian Griepenkerl und Alois Delug. 1908 schließt er das Studium mit dem sogenannten „Rompreis“ ab. Der Preis ermöglicht ihm die erste Kunstreise durch Italien, Spanien, Frankreich und Deutschland. 1909 zurück in Wien, reift endgültig der Entschluss zur bildnerischen Karriere. Er präsentiert bei mehreren Ausstellungen des Wiener Künstlerhauses, sehr gelobt, Arbeiten und wird 1911 in der Genossenschaft als Mitglied aufgenommen. Mit Unterstützung des Gastronomen und Kunstmäzens Franz Hauer verbringen Karl und seine Frau Elise mehr als ein Jahr in dem Künstlerrefugium Capri. Hier wird der erste Sohn geboren. 1912 nach der Rückkehr nach Wien beginnt sich die Karriere, wenn auch zögerlich, zu entwickeln. 1913 erhält er mit seiner Teilnahme an der 11. Internationalen Kunstausstellung im Königlichen Glaspalast in München erste Anerkennung im Ausland.
Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs unterbricht die erfolgversprechende Laufbahn. Sterrer wird 1915 zunächst in eine Arbeitskompanie an der russischen Front einberufen. 1916 bringt seine Aufnahme in die Kunstgruppe des Kriegspressequartiers Erleichterung. Für die Arbeit an der Front entwickelt Sterrer jene spezielle bildnerische Technik zwischen Bleistift, Kreide, Aquarell und Tempera, die es ihm erlaubt, auch in prekären Situationen vor Ort relativ rasch Skizzen zu endgültigen Bildern zu entwerfen. Es entstehen dabei zahlreiche Bilder vom Leben der Soldaten an der Ostfront. Im letzten Kriegsjahr an die Südfront kommandiert, entwickelt er auch seine Fähigkeit im Genre des Porträts weiter und wird zum begehrten Porträtisten der k.u.k. Piloten, die er zumeist lithografisch umsetzt. Seine Fähigkeiten werden 1914 durch den „Kaiserpreis“ und 1916 durch den Drasche-Preis gewürdigt. 1917 wird den Sterrers die Tochter, 1921 der zweite Sohn geboren.
1919, vom Joch des Militärmalers befreit, widmet sich Sterrer zunächst intensiv der Druckgrafik, der Radierung und der Lithografie. Er reüssiert als freier Künstler und ist im Engagement für das Künstlerhaus so erfolgreich, dass er 1921 ins Lehramt an der Wiener Akademie berufen wird. Hier zeigt sich seine weitere Fähigkeit, jene des Unterrichtens. Bis zu seiner Abberufung im Jahr 1945 ist er geschätzter Lehrer zahlreicher später äußerst erfolgreicher Künstler, darunter Max Weiler, Rudolf Hausner, Hans Fronius, Werner Berg, Curt Stenvert, Rudolf Szyszkowitz, Adolf Winternitz, Sergius Pauser, Maximilian Florian, Leopold Hauer.
Zwei Akte in einer Landschaft, 1919
Die Zwanzigerjahre sind Sterrers wohl ergiebigste und erfolgreichste Zeit. Porträts, Akte, allegorische Szenen entstehen während seiner Arbeit an der Akademie, Landschaften während seiner Sommerurlaube, die er zur physischen und psychischen Erholung so nötig hat. Die ehemals stilistisch wie inhaltlich romantische Prägung entwickelt sich zu einer zart expressiven bis neusachlichen, ja surrealistischen Formung in oft monumentalen Dimensionen. Regelmäßig beschickt er die Ausstellungen des Künstlerhauses. Schon 1921 zeigt die Genossenschaft eine äußerst umfangreiche Personale und bei der Jubiläumsausstellung von 1929, der 50. Jahresausstellung des Künstlerhauses, hängen seine Bilder neben der großen Werkschau des Impressionisten Max Liebermann. Seit dem Ende des Weltkriegs kann Sterrer zudem stets auf Ankäufe privater Sammler vertrauen, die zumeist dem jüdischen Bürgertum entstammten. Sterrers Leistungen werden 1929 mit dem Staatlichen Ehrenpreis gewürdigt, der mit dem späteren Staatspreis für bildende Künste zu vergleichen wäre. 1925 erscheint Sterrers bisher einzige Monografie, verfasst vom Kunsthistoriker Arpad Weixlgärtner. 1928 gestaltet Sterrer für den Schwurgerichtssaal im Wiener Landesgericht die Figur des „Richters aus dem Volke“ – sein bis dahin einziger öffentlicher Auftrag.
Sterrer wird mehrmals zur Teilnahme an der Biennale in Venedig und zu Ausstellungen in Rom eingeladen. Seine internationale Karriere gipfelt wohl in der Teilnahme an der Jury für die Biennale des Carnegie Instituts in Pittsburgh 1930, zu der er gemeinsam mit Henri Matisse berufen wird.
Wenn Sterrer schon zu Ende der 20er Jahre an der Ausrichtung seiner bildnerischen Themen zweifelte, meint er nach seiner Rückkehr aus den USA mit der immer stärkeren Hinwendung zum Katholizismus darauf Antwort gefunden zu haben. Wegen Arbeitsüberlastung entschließt er sich 1931 zum Austritt aus dem Künstlerhaus, stellt aber zur gleichen Zeit in der „Neuen Galerie“ Kallir-Nirensteins aus.
Verleihung der Würde der Ehrenmitgliedschaft der Akademie der bildenden Künste an Unterrichtsminister Hans Pernter, 1937. In erster Reihe rechts: Rektor Karl Sterrer und Vizerektor Clemens Holzmeister
Himmelskönigin, 1945-1953 (?)
Die Hinwendung zum Hinwendung zum Katholizismus macht ihn schließlich auch zum Befürworter und Unterstützer des austrofaschistischen Regimes des Engelbert Dollfuß. Die Bearbeitung religiöser Themen findet in der Gestaltung des großen Altarmosaiks in der „Christkönigskirche“ in Wien Rudolfsheim ihren Höhepunkt. Ihr Architekt ist Sterrers Kollege an der Akademie Clemens Holzmeister. In dessen Nachfolge wählt das Kollegium der Akademie Sterrer 1937 zum letzten Rektor vor der Machtübernahme der Nationalsozialisten.
Die Nähe zum Austrofaschismus und die Bearbeitung religiöser Themen sind dem neuen Regime Anlass genug, ihn 1938 des Lehramts zu entheben. Das mit der neuen Macht sympathisierende Kollegium der Akademie bietet ihm keine Unterstützung. Der Austritt aus der Kirche und der Beitritt in die NSDAP erscheinen Sterrer kurzfristig als Lösung der existenziellen Misere. Im Oktober 1938 bewirbt er sich für die Aufnahme in die Partei in der er 1940 als Parteianwärter aufgenommen wird. Nach eineinhalbjähriger Suspendierung wird er 1939 wieder mit der Leitung der Allgemeinen Malerschule betraut.
Was Sterrer jedoch als Hilfe in der Krise erschienen war, erweist sich als grober Fehlschluss. Nach Kriegsende und Zusammenbruch des NS-Regimes wird er wegen seiner Parteimitgliedschaft ein zweites Mal vom Dienst suspendiert und nach Untersuchung durch die Entnazifizierungskommission 1946 schließlich vorzeitig pensioniert und von seiner so geschätzten Unterrichtsarbeit abgezogen. Ab diesem Zeitpunkt entstehen beinahe ausschließlich allegorische und religiöse Bildwerke und Texte zur Kunst- und Kulturkritik, verwandt den Schriften des Kunsthistorikers Hans Sedlmayr.
Wenn Sterrer auch, wie so manchem Kunstschaffenden aus dem Umkreis jener im Austrofaschismus Beschäftigten 1957 noch der Große österreichische Staatspreis für bildende Kunst verliehen wird, so kann er nicht mehr an den Erfolg der Zwischenkriegszeit anknüpfen. Zwei Ausstellungen mit Werken religiöser und allegorischer Thematik, 1955 an der Wiener Akademie und 1962 im Künstlerhaus, finden wenig bis negative Resonanz.
Karl Sterrer stirbt am 10. Juni 1972 im Alter von beinahe 87 Jahren. Seine Frau Elise versucht noch über Jahre hinweg das Andenken an das Werk ihres Mannes zu bewahren. Die letzte Ausstellung seiner Arbeiten findet 1981 in der Wiener Galerie Peithner-Lichtenfels statt.